LANGE NÄCHTE STATT LANGEWEILE

Kultur für alle?

Kultur ist mehr als nur Faust und Goethe. Sei es die Dorfkirchweih oder das Reggaekonzert in der Innenstadt. Kultur ist überall. Nur leider kann diese immer nur durch einen Bruchteil der Gesellschaft genutzt werden. Wer auf dem Land lebt, hat zu vielen Kulturveranstaltungen keinen Zugang. Dafür gibt es viele Gründe:

Vom Biergarten können wir vielleicht noch heimtorkeln, für das Konzert in der Stadt fehlt dann aber doch die Busanbindung. Wenn es doch eine Verbindung gibt, sind besonders für Schüler*innen die damit verbundenen Fahrtkosten oft kaum erschwinglich, weil das Zugticket gerne mal mehr kostet als die Eintrittskarte beim Konzert der Lieblingsrapperin.

Klassischen Kulturveranstaltungen wie Opern oder Theateraufführungen hingegen sind aufgrund astronomischer Ticketpreise für Menschen mit geringem oder gar keinem Einkommen in der Regel erst gar nicht bezahlbar. Der Zugang zu Kultur ist also vor allem auch eine Frage des Geldbeutels.

DIY vs. Polizei?

Möchte man die Zügel einfach selbst in die Hand nehmen und im eigenen Kaff eine Party auf die Beine stellen, trifft man in Form von Polizei und Ordnungsamt schnell auf unüberwindbare Hürden. Jede*r, die/der schon mal ein Konzert veranstalten wollte, kennt die Probleme mit Bürokratie und Behörden. Fast gänzlich ausgeschlossen von Kultur sind Geflüchtete, denen es beispielsweise durch die sogenannte „Residenzpflicht“ verboten ist, bestimmte Bezirke zu verlassen – und somit die Integration erschwert statt erleichtert wird.

Stadtleben? So nah und doch so fern…

Vor allem junge Menschen ziehen vom Dorf in die Stadt, Politiker*innen empören sich über Landflucht. Dabei ist dieser Vorgang verständlich: Oft fährt der Bus nur alle zwei Stunden – und nach 18 Uhr gar nicht mehr. Der Weg zur Schule oder Ausbildungsstätte dauert lange und ist mit ewigen Wartezeiten verbunden. Dadurch bleibt einem am Nachmittag weniger Zeit für Sport, Freunde und andere Hobbies. Man ist also von öffentlichem Leben und Kultur weitgehend abgeschnitten.

Nach der Schule ausziehen? Find‘ erstmal ‘ne Wohnung!

Durch den großen Zuzug in die Städte wird der Mangel an Wohnraum weiter verschärft. In keiner anderen Stadt in Deutschland sind die Mieten so teuer wie in München, ähnliches lässt sich anderen bayerischen Städten wie in Regensburg oder Erlangen beobachten. Der Zugang zu Kultur und Stadtleben wird somit weiter erschwert.

Grund dafür ist eine jahrelang verfehlte Planungspolitik. Städtischer Grund wurde an profitfreudige Investoren verkauft, der soziale Wohnungsbau eingeschränkt und bestehender Wohnraum in Gewerbeflächen umgewandelt, um mehr Gewerbesteuern einzunehmen.

Eine Alternative zum Bau von Privat- und Eigentumswohnungen sind offene Wohnungsgenossenschaften. Die Mieter*innen können so selbst über ihre Lebensgrundlage entscheiden und müssen nicht Opfer von Mietspekulation werden.

Wir fordern:

  • Kultur braucht Räume. Soziokulturelle Zentren fördern, die Nutzung leerstehender Gebäude legalisieren!
  • Kultur braucht Mitbestimmung. Abschaffung von bürokratische Hürden bei der Organisierung von Festivals und Konzerten!
  • Kultur braucht Zugang. Ausbau von Ermäßigungspreisen bei klassischen Kulturveranstaltungen und kostenloser Eintritt für junge Menschen in Museen, Opern und Theateraufführungen!
  • Kultur braucht Förderung. Eine stärkere finanzielle Förderung von Kultureinrichtungen, insbesondere der alternativen Szene und von Jugendkultur!
  • Kultur braucht Mobilität. Ausbau von öffentlichem Nahverkehr, Fahrradwegen und autofreien Innenstädten!
  • Kultur braucht Akzeptanz. Subkulturen entkriminalisieren, legale Grafittiwände fördern!
  • Kultur braucht Wohnraum. Privatisierung von Wohnraum stoppen, sozialen Wohnungsbau fördern, Wohnungsgenossenschaften stärken!

Unser Flyer zur Kulturpolitik: klick